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Steckbrief

Wie Sie die Farbmaus artgerecht halten

Die Farbmaus ist bewegungsfreudig! Auf die richtige Art der Bewegung kommt es an.

Von Dr. med. vet. Patricia Kaulfuß und Daniela Rickert

Die optimale Haltung von Farbmäusen erfordert einiges Know-how. Schlechte Haltungsbedingungen fördern die Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten bei den Kleinnagern. Halter sollten darüber informiert werden, wie Farbmäuse einwandfrei gehalten werden können.

Systematik

Mäuseverwandte – Mäuseartige – Echte Mäuse

Lebenserwartung

24–36 Monate (ausnahmsweise bis 5 Jahre)

Geschlechtsreife

28–49 Tage

Herkunft

Die Stammform der heutigen Farbmäuse war ursprünglich die graue Hausmaus, welche in den Steppen und Halbwüsten Asiens beheimatet war. Mit der menschlichen Migration wanderte auch die Hausmaus und ist heute nahezu weltweit zu Hause (Ausnahme: tropisches Afrika). Seit dem 19. Jahrhundert wird sie in Europa auch als Haustier gehalten. Die Farbmaus hat einen ausgeprägten Geruch-, Gehör- (Ultraschall) und auch Tastsinn.

Sozialverhalten

Die Tiere leben in geschlossenen Großfamilien: ein Männchen mit mehreren Weibchen und deren Nachwuchs. Jede Großfamilie hat ihr eigenes Territorium, welches mit Duftmarken gekennzeichnet und gegen andere Großfamilien verteidigt wird. Auch in menschlicher Obhut sollten Mäuse unbedingt in Gruppen gehalten werden. Durch die enorme Fortpflanzungsfreudigkeit der Farbmaus (Trächtigkeiten bis zu zehnmal pro Jahr mit rund vier bis zwölf Jungen sind möglich) sollten entweder Tiere des gleichen Geschlechts (am besten weiblich) zusammen gehalten oder das Männchen vor der Geschlechtsreife kastriert werden. Die Vergesellschaftung funktioniert am besten zwischen dem 18.–21. Lebenstag. Eine spätere Vergesellschaftung gestaltet sich teilweise schwierig, manchmal auch unmöglich (intraspezifische Aggression).

Haltung

Die ursprüngliche Hausmaus ist dämmerungs- und nachtaktiv. Bei domestizierten Farbmäusen sind die Aktivitätsphasen abhängig von der sozialen Stellung, sodass die Tiere auch am Tage aktiv und sehr bewegungsfreudig sein können. Für die Bewegung der Tiere sind Laufräder zwar zweckmäßig, jedoch wie auch für andere Tierarten nicht unumstritten, da sie ARV auslösen und Aggressionen verschlimmern können. Generell sollte ein Laufrad der Größe des Tieres angepasst sein (bei der Maus mind. 20 cm Durchmesser), eine geschlossene Lauffläche haben und achsseitig geschlossen sein. Werden dadurch jedoch Verhaltensstörungen wie stereotypes Laufen verursacht, sollte das Laufrad umgehend wieder entfernt werden. In der Natur bewohnen die Tiere Gänge und Höhlen, was bei der Haltung berücksichtigt werden sollte. Ähnlich wie bei der Rennmaus sollte auch bei der Farbmaus eine Haltung in handelsüblichen Terrarien vermieden werden. Da Mäuse eine stärkere Urinproduktion als beispielsweise wüstenlebende Nager aufweisen, sind die Lüftungsflächen in Terrarien nicht ausreichend. Farbmäuse sind sehr empfindlich gegenüber zu hoher Luftfeuchtigkeit. Auch die Ammoniakkonzentration ist bei mangelnder Belüftung erhöht. Da Mäuse sehr bewegungsfreudig sind, benötigen sie eine möglichst große Haltungseinrichtung mit den Mindestmaßen 80 x 50 x 80 cm (L x B x H) mit viel environmental enrichment, die Haltungseinrichtung sollte dreidimensional strukturiert sein. Im Zoofachhandel finden Besitzer eine Vielzahl an Einrichtungsgegenständen wie Schlafhäuschen, Leitern, Labyrinthe, Kletterstangen, Seile, Schaukeln etc. Aber auch Heu, Stroh, Karton- oder Korkröhren, Unterschlüpfe aus Holz, Toilettenpapierrollen sowie Äste können angewendet werden. Farbmäuse bevorzugen Wohnraumtemperaturen von 20–24 °C (im Mäusenest werden Temperaturen von bis zu 30 °C erreicht). Direkte Sonneneinstrahlung ist zu vermeiden. Albinomäuse sollten sogar im Halbdunkeln gehalten werden (dies gilt auch für andere albinotische Tiere). Eine zu hohe Lichtintensität schädigt die Retina, was vor allem im Anfangsstadium schmerzhaft ist und später sogar zur Erblindung führen kann.

Ernährung

Der Speiseplan der Maus ist verhältnismäßig einfach, da Mäuse zu den Allesfressern gehören. Möglich sind Fertigmischungen aus dem Fachhandel, kombiniert mit Grün- und Saftfutter (z. B. Obst und Gemüse). Als Proteinquelle dienen Mehlwürmer oder Trockenfutter für Hunde. Wie bei allen Nagetieren bedingt einzig der Zahn-Zahn-Kontakt den Abrieb der ständig nachwachsenden Zähne.

Verhaltensauffälligkeiten

Die Verhaltensstörungen der Farbmaus sind leider sehr vielfältig. Neben der intraspezifischen Aggression gibt es noch eine Vielzahl von abnormal-repetitive Verhaltensweisen, welche i. d. R. durch schlechte Haltungsbedingungen hervorgerufen werden. Dazu gehören: Schwanzjagen, Loopingschlagen, Hochspringen, Wandscharren, Scharren in der Ecke, Männchenmachen und Fellfressen. Auch Kronismus ist bei zu wenig Platz oder zu hoher Besatzungsdichte möglich.

Über die Autorinnen

Dr. med. vet. Patricia Kaulfuß ist Tierärztin und Praxisinhaberin mit der Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie. Sie ist zudem Sachverständige für Sachkunde- und Wesensprüfungen.

Daniela Rickert ist Fachtierärztin für Tierschutz, arbeitet als Amtstierärztin und ist Leiterin des Arbeitskreises Zoofachhandel und Heimtiere der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e. V. (TVT).

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