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Zu jeder Indikation gibt es die passende Infusionslösung.
Foto: Linda Hannwacker
Zu jeder Indikation gibt es die passende Infusionslösung.

Inhaltsverzeichnis

Infusionen

Damit alles wieder fließt

Durch Infusionen lässt sich der Wasserhaushalt dehydrierter Patienten wieder ins Gleichgewicht bringen. Um alles im Fluss zu halten, muss ­jedoch einiges beachtet werden.

Von Linda Hannwacker

Das Wort „Infusion“ stammt vom Lateinischen „infusio“ und bedeutet so viel wie „eingießen“. Letztendlich beschreibt die Infusion genau das: Größere Mengen Flüssigkeit werden über einen kurzen oder etwas längeren Zeitraum in das Gefäßsystem des Patienten „gegossen“. In der Regel sind Infusionen essenzielle Basis vieler Therapieprotokolle. Dadurch werden sowohl ein Flüssigkeitsdefizit ausgeglichen, wie es bei vielen Krankheitsbildern entsteht, als auch der Kreislauf stabilisiert. Auch Abfallprodukte oder Toxine können auf diese Weise besser abtransportiert werden. Die Nieren werden in ihrer Funktion, das Blut zu filtern und Stoffe auszuscheiden, unterstützt. Infusionen können aber auch zentrale Bedeutung haben, z. B. wenn der Patient massiv dehydriert ist oder sich in einem Schockzustand befindet.

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Der Wasserhaushalt in Kürze

Der Körper besteht zu 50–70 % aus Wasser. Der größte Teil davon befindet sich innerhalb der Zellen, nur einen Bruchteil des Wassers findet man im Blutsystem. Wasser kann zwischen den einzelnen Bereichen frei diffundieren und „wandert“ meist an den Ort, an dem die Konzentration bestimmter Teilchen höher ist. Je nachdem, in welchem Kompartiment die Flüssigkeitsmenge bei einem Defizit erniedrigt ist, spricht man von Hydratation (Wasser im Gewebe und in den Zellen) und Perfusion (Wasser im Blutsystem).

Was ist Dehydratation und woran erkennt man sie?

Weist ein Tier ein Defizit an Flüssigkeit in den Körperzellen und im Gewebe auf, ist es mittelgradig dehydriert. Je nach Grad der Dehydratation sind die Schleimhäute trocken bis pappig. Vorsicht ist bei Tieren mit vorberichtlichem Erbrechen geboten, da die Schleimhäute durch die in der Übelkeit vermehrte Speichelproduktion fälschlicherweise feuchter aussehen können. Die Spannung der Haut fühlt sich bei mittelgradig dehydrierten Tieren vermindert an oder fehlt gänzlich, wenn die Dehy­dratation einen hohen Grad erreicht hat. Klinisch lässt sich das durch das Ziehen einer Hautfalte (z. B. im Nacken) beurteilen: Bleibt die Hautfalte stehen und verstreicht nicht, ist das Tier dehydriert (siehe Abb. 1 a und b). Oft sind auch die Augen in die Höhlen eingesunken, wodurch manchmal die Nickhaut vorfällt. Ist das Tier massiv dehydriert, wird es häufig auch mit Schocksymptomen (z. B. blasse Schleimhäute, veränderte Herzfrequenz) vorgestellt, da der Körper zusätzlich zu wenig Wasser im Gefäßsystem halten kann.

Der Körper im Schock

Es gibt verschiedene Formen des Schocks. Grundsätzlich ist allen gemeinsam, dass der Körper es nicht mehr schafft, die Durchblutung in der Peripherie aufrechtzuerhalten. Es kommt zu einer verminderten Perfusion und einem Mangel an Sauerstoff im Gewebe. Dem liegt häufig ein herabgesetztes Herzminutenvolumen zugrunde, welches entweder durch Obstruktionen oder durch den Verlust größerer Mengen Blut sowie die Umverteilung von großen Flüssigkeitsmengen in Körperhöhlen oder ins Interstitium (hypovolämischer Schock) ausgelöst wird. Durch den Verschluss großer Gefäße wie z. B. bei einer Magendrehung oder bei Thrombosen kommt es zu einem obstruktiven Schock. Ein distributiver Schock entsteht durch ein Entgleisen des Blutdrucks, wobei das Blut in der Peripherie hängen bleibt und ungenügend zurückfließt, wie beispielsweise bei einer Sepsis. Durch ein Problem am Herzen selbst kann die Herzaktivität massiv herabgesetzt werden, sodass es zu einem kardiogenen Schock kommt. Häufig liegen bei Notfallpatienten Mischformen vor.

Mit Infusionen werden der Kreislauf stabilisiert und die Perfusion wieder normalisiert. Zusätzlich kann noch Sauerstoff gegeben werden und andere Medikamente oder Transfusionen können zum Einsatz kommen. Einzig beim kardiogenen Schock ist eine Infusionstherapie kontraindiziert, da kein Volumenproblem vorliegt und das Herz durch eine Vergrößerung der Flüssigkeitsmenge zusätzlich belastet werden würde.

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Infusionslösungen: Was nehme ich wann?

Es gibt verschiedene Infusionslösungen und je nach Zusammensetzung verteilen sich diese unterschiedlich im Körper. Grundsätzlich gibt es kristalloide – weiter unterteilt in hypo-, iso- und hypertone – und kolloidale Lösungen.

Kristalloide Infusionslösungen

Eine kristalloide Infusionslösung enthält Wasser, Elektrolyte und ggf. Puffersubstanzen, die den pH-Wert des Blutes beeinflussen können. Je nachdem, wie dicht die Elektrolytkonzentration ist, spricht man von isoton (Konzentration in der Infusionslösung ist ähnlich der im Serum), hypoton (enthält mehr Wasser als Elektrolyte) oder von hyperton (sehr hohe Konzentration an Elektrolyten).

Isotone Flüssigkeiten sind beispielsweise Ringer®, 0,9%ige Natrium-Chlorid-Lösung (NaCl) oder Sterofundin®. Nach Applikation verteilen sich ca. drei Viertel der Lösung im Gewebe, nur ein Viertel bleibt im Blutsystem, weshalb sie sich vor allem für die Rehydratation eignen.

Hypotone Lösungen enthalten in der Regel Glukose (meist 5 %), welche im Körper verstoffwechselt wird, zurück bleibt „freies Wasser“. Dieses diffundiert in die Zellen, sodass diese Lösungen vor allem bei akuter Hypernatriämie (zu hoher Natriumspiegel im Blut) oder bei Anurie (zu geringe Harnproduktion) eingesetzt werden.

Hypertone Lösungen (NaCl 7,5 %) haben eine hohe Elektrolytkonzentration und ziehen damit zügig Wasser aus dem Interstitium und aus den Zellen in das Gefäßsystem. Genutzt wird das vor allem in späten Schockstadien oder bei Schädel-Hirn-Traumata. Dehydrierte Patienten sollten diese Lösungen nicht erhalten!

Kolloidale Infusionslösungen

Kolloidale Infusionslösungen enthalten neben Wasser und Elektrolyten noch große Moleküle (Zucker, Stärke oder Proteine). Da diese großen Moleküle nicht diffundieren können und so im Gefäßsystem verbleiben, erhalten sie den sogenannten onkotischen Druck, welcher für die Aufrechterhaltung des Plasmavolumens wichtig ist. So werden sie vor allem im Schock eingesetzt, um Flüssigkeit im Gefäßsystem zu halten. Häufig wird als Molekül Hydroxyethylstärke (HES) als Plasmaexpander verwendet, aber auch Albumin oder Blutprodukte, wie Vollblut oder Plasma, kommen zum Einsatz.

Infusionsraten und -überwachung: Wie schnell darf es sein?

Verschiedene Faktoren bestimmen, wie schnell eine Infusion durchgeführt werden kann bzw. soll.

Bei Patienten mit Dehydratation sollten zuerst die Defizite ausgeglichen werden. Diese Defizite können mit einer Formel berechnet werden. Dazu berechnet man den Erhaltungsbedarf und eventuell noch zu erwartende Verluste (z. B. bei Durchfall oder Erbrechen), die Summe wird dann über einen Zeitraum von 6–24 h appliziert (Formel . s. Webwegweiser am Ende des Beitrags). Meist erhält man aus dieser Rechnung Infusionsraten mit 5–10 ml/kg/h. Die Rehydratation erfolgt am besten mit einer isotonen kristalloiden Infusionslösung. Der Erhaltungsbedarf bei einem Patienten mit normaler Nierenfunktion beträgt ca. 2–3 ml/kg/h. Patienten mit Nierenerkrankungen müssen abhängig von ihrer Urinproduktion infundiert werden.

Im Schockzustand ist es wichtig, die Perfusion des Gewebes möglichst zügig wiederherzustellen. In der Regel werden hierfür größere Mengen Lösungen (z. B. kolloidales HES in Kombination mit isotonischen kristalloiden Lösungen) als Bolus eingegeben. Nach jedem Bolus sollten Kreislaufparameter wie Herzfrequenz, Schleimhautfarbe und -qualität oder kapilläre Rückfüllzeit überprüft werden.

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Wenn es nicht läuft: Woran kann es liegen?

Venenkatheter müssen insbesondere bei stationär aufgenommenen Tieren mehrmals täglich auf korrekten Sitz kontrolliert werden. Dafür spritzt man eine kleine Menge Infusionslösung direkt über den Luer-Lock-Anschluss. Sitzt der Venenkatheter korrekt, funktioniert das ganz leicht und man kann oberhalb des Katheters fühlen, wie die Infusionslösung in der Vene ankommt. Spätestens nach drei Tagen muss der Katheter aus hygienischen Gründen entfernt und ein neuer Katheter an einem anderen Bein gelegt werden, um das Infektionsrisiko an der Einstichstelle zu verringern.

Doch was ist zu tun, wenn die Infusion trotz Durchspülen und korrekter Lage des Venenkatheters nicht läuft? Oft lohnt sich ein Blick auf den Infusionsschlauch. An weit distal (zum Gliedmaßenende hin) gelegenen Kathetern knickt der Schlauch besonders gerne direkt am Bein ab. Abhilfe schafft man, indem man einen Knickschutz am Infusionsschlauch anbringt (siehe Abb. 2). Manchmal ist der Schlauch schlichtweg in der Boxentür eingeklemmt oder durch Bewegungen des Patienten in sich verknotet.

Manchmal liegt das Problem am Patienten selbst. Vor allem Katzen winkeln gerne die Vorderbeine an. Liegt der Katheter weit proximal (zur Körpermitte hin), kann der intravenös gelegene Kunststoffkatheter in der Ellenbeuge abknicken. Das kann kurzzeitig durch ein Strecken der Gliedmaße behoben werden, auf lange Sicht sollte allerdings ein neuer Venenkatheter gelegt werden.

Über die Autorin

Linda Hannwacker ist Tierärztin und arbeitet im Kleintierzentrum Neckar-­Odenwald.

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