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Allergische Hautpatienten

So beraten Sie die Besitzer

Die Haut ist das größte Organ des Körpers. Hunde oder Katzen mit Hauterkrankungen und auch ihre Besitzer sind oft über einen langen Zeitraum einem hohen Leidensdruck ausgesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Von Tanja Töpfer

Bei der Bedeutung und dem Aufbau der Haut ist zu bedenken, dass zu ihr auch die Pfoten, die Krallen, die Ohren oder die Nase gehören und Tiere mit Veränderungen an entsprechenden Stellen ebenfalls den dermatologischen Patienten zugeordnet werden. Hautprobleme können also eine Vielzahl von Beschwerden nach sich ziehen.

Die Haut setzt sich aus drei Schichten zusammen: die Epidermis (Oberhaut), die Dermis (Lederhaut) und die Subkutis (Unterhaut). Die Regeneration der Hautzellen von der untersten zur obersten Schicht dauert ungefähr vier Wochen. Dermatologische Symptome können also nicht innerhalb weniger Tage verschwinden, sondern benötigen in der Regel eine längere Heilungsphase. Dementsprechend müssen Tierbesitzer viel Geduld bei der Behandlung ihrer Hunde und Katzen aufbringen.

Hauterkrankungen

Hauterkrankungen stellen nach den Magen-Darm-Beschwerden den zweithäufigsten Vorstellungsgrund in der Kleintierpraxis dar. Wie in der Humanmedizin nimmt insbesondere die Anzahl der allergischen Erkrankungen immer weiter zu. Ungefähr zehn Prozent aller Hunde leiden mittlerweile an einer Allergie. Neben anderen Beschwerden ist vor allem der Juckreiz das gemeinsame Symptom aller allergischen Hauterkrankungen.

Juckreiz ist eine unangenehme Sinnesempfindung, die das Verlangen auslöst, sich zu kratzen. Dies kann zu großer Verzweiflung bei Mensch und Tier führen. Besitzer erwarten aus diesem Grund nach dem Besuch in der Tierarztpraxis eine schnelle Linderung der Beschwerden. Dies kann allerdings aufgrund einer vielleicht bereits bestehenden Chronizität der Probleme und der zum Teil langen Heilungsphase nicht immer gewährleistet werden. Eine langwierige Aufarbeitungsphase geht der erfolgreichen Heilung meist voraus. Deshalb erfordert die Therapie ein hohes Maß an Verständnis seitens der Besitzer. Eine ausführliche und kompetente Beratung ist somit zwingend notwendig.

Kommunikation

Die Kommunikation mit dem Patientenbesitzer ist ein wesentlicher Faktor für eine erfolgreiche Therapie. Dabei sollte man bedenken, dass es unter uns Menschen unterschiedliche „Lerntypen“ gibt. Da wir nicht wissen, wie wir unserem Gesprächspartner Wissen am besten vermitteln können, ist es wichtig darauf zu achten, bei der Beratung möglichst verschiedene Sinne anzusprechen. Eine Tabelle zum Thema "Unterschiedliche Beratungsstrategien sprechen verschiedene Sinne an" finden Sie zum kostenlosen Herunterladen am Ende des Textes. Auch nach der Beratung sollte sichergestellt werden, dass alle Informationen aufgenommen und verstanden wurden. Hierbei kann es hilfreich sein, noch einmal mit Fragen wie: „ Haben Sie alles verstanden?“ oder „ Wo sehen Sie Probleme?“ nachzuhaken.

Der allergische Hautpatient

Bei Hunden und Katzen spielen vor allem drei Allergien eine bedeutende Rolle:

  • die Flohspeichelallergie,

  • die Futtermittelallergie und

  • die Umweltallergie

Grundsätze einer Eliminationsdiät

  • Kommerzielle Futter aus dem Zoofachmarkt sind in der Regel nicht geeignet.

  • „Getreidefrei“ ist keine Eliminationsdiät.

  • keine Leckerlis, nichts „vom Tisch“

  • keine aromatisierten Tabletten oder Futterzusatzstoffe

  • konsequente und strenge Fütterung

Die Flohspeichelallergie

Hierbei handelt es sich um die häufigste Allergieform. Es kommt zu einer Sensibilisierung gegen Eiweiße im Flohspeichel. Die Tiere zeigen einen starken Juckreiz, welcher sich sehr häufig am hinteren Rücken im Bereich der Kruppe lokalisiert. Bei der Untersuchung müssen nicht immer lebende Flöhe oder Flohkot nachweisbar sein, da ein einziger Biss für eine wochenlange Reaktion ausreichen kann. Die Therapie liegt in einer strengen kontinuierlichen Flohprophylaxe. Eine Bekämpfung sollte immer auf zwei Ebenen erfolgen:

  • Abtöten der parasitären Flöhe auf dem betroffenen Tier und an Kontakttieren (5 % der Flohpopulation)

  • Abtöten nicht-parasitärer Flöhe, d. h. auch der Jugendstadien in der Umgebung (95 % der Flohpopulation)

Die Futtermittelallergie

Bei dieser Allergie handelt es sich um Reaktionen vorwiegend auf die Eiweißkomponente im Futter, beispielsweise Hühnchen, Rind, Milchprodukte, Mais oder Fisch. Typische Hautsymptome treten im Gesicht, den Pfoten, den Ohren, den Achseln oder im Inguinalbereich (Leistengegend) auf. Die Therapie der Wahl ist die ausschließliche Fütterung eines speziellen Allergikerfutters über einen Testzeitraum von 8–12 Wochen, eine sogenannte Eliminations- oder Ausschlussdiät. Es gibt zwei Möglichkeiten der Diätauswahl:

  • Fütterung einer ungewöhnlichen Eiweißquelle: z. B. Pferd, Känguru, Strauß, Kaninchen

  • Hydrolysierte Diäten: Spaltung der Eiweiße durch Hydrolyse, dadurch können sie vom Körper nicht mehr als Allergen erkannt werden.

Die Umweltallergie

Hierbei handelt es sich um eine Reaktion auf inhalierte oder über die Haut aufgenommene Stoffe aus der Umgebung wie Hausstaubmilben,

Schimmelpilze, Kräuter, Gräser oder Bäume. Die betroffenen Körperstellen sind identisch zu denen der Futtermittelallergie, allerdings können die Symptome vor allem bei Pollenallergien saisonal auftreten. Für die Therapie bestehen drei Möglichkeiten:

  • Meidung der Allergene (nur selten möglich),

  • medikamentöse Unterdrückung der Symptome z. B. durch Prednisolon, Cyclosporin, Oclacitinib oder Lokivetmab,

  • Beeinflussung der Immunantwort durch eine Desensibilisierung.

Über die Autorin

Tanja Töpfer ist seit 2014 Assistenztierärztin in der Abteilung Innere Medizin der Klinik für Kleintiere der Universität Leipzig und leitet dort die Abteilung Dermatologie.

Beratungsstrategien_allergische_Hautpatienten

© Tanja Töpfer

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