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Trauerbegleitung in der Tierarztpraxis

Wenn Kinder um ihr Haustier trauern

Ein Tier einzuschläfern ist immer eine komplexe und emotionale Situation. Sind Kinder involviert, ist es eine besondere Herausforderung.

Haustiere werden von Kindern oft als ihresgleichen betrachtet. Sie vertrauen dem Tier ihre Geheimnisse an und sehen es als größten Vertrauten. Stirbt dieses Tier, ist das für ein Kind oft die schlimmste Erfahrung in jungen Jahren. Wie gehe ich also behutsam mit einem Kind um, das in der Praxis mit dem Tod seines geliebten Haustieres konfrontiert wird?

Kommunikation mit einem trauernden Kind

Eine offene Kommunikation über den Tod, die dem Entwicklungsstand des Kindes entspricht, ist das beste Hilfsmittel bei der Trauerbewältigung. Sie trägt dazu bei, dass Kinder ein realistisches Verständnis von dem Verlustereignis entwickeln und Gefühle wie Unsicherheit, Hilflosigkeit, Schuld und Scham verringert werden.

Die Körpersprache spielt hierbei eine tragende Rolle. Seien Sie auf Augenhöhe mit dem Kind und schauen Sie es direkt an, wenn Sie ihm antworten. Auch eine leichte Berührung am Arm kann hilfreich sein. Je nach Stand der Entwicklung haben Kinder oft noch keine Worte, um zu benennen, was sie fühlen. Ihnen fehlen die Erfahrungen, um zu wissen, wie sie reagieren dürfen und welche Reaktionen hilfreich wären. Sie helfen einem Kind also am besten, wenn Sie es zum Fragen ermutigen: „Möchtest Du wissen, was jetzt mit Deinem Hund Paul passiert?“ ist eine angemessene Frage, wenn das Kind bei der Euthanasie dabei sein möchte. Es sollte darauf vorbereitet werden, dass sein Tier gleich eine Spritze bekommt und behutsam über das Vorgehen aufgeklärt werden. Vermeiden Sie dabei Fachausdrücke, werden Sie in Ihrer Sprache aber auch nicht zu blumig. Es bietet sich an, den Tod und das verstorbene Tier immer beim Namen zu nennen und die Realität für Kinder so treffend wie möglich zu formulieren.

Verwendet man Umschreibungen wie „Paul ist eingeschlafen.“ oder „Bobby war sehr müde.“ nehmen jüngere Kinder diese Sätze oft wörtlich und können gegebenenfalls Angst davor bekommen, selbst einzuschlafen. Hilfreicher ist es, Dinge zu benennen, die das verstorbene Tier jetzt nicht mehr tun kann: „Paul ist nun fort und kann nicht mehr mit dir spielen. Er war leider so krank, dass er sterben musste. Aber er hat jetzt keine Schmerzen mehr. Möchtest du Paul noch eine Erinnerung an dich mitgeben? Vielleicht ein Bild für ihn malen oder ihn noch einmal ganz fest drücken?“.

Je nach Alter trauern Kinder unterschiedlich

Kinder durchlaufen ihre Trauer in mehreren Phasen. Diese folgen jedoch keinem festen Schema, sondern überlappen sich häufig – ein Kind kann also in einem Moment hemmungslos weinen und im nächsten unbeschwert spielen. Man sollte Kinder nicht dazu zwingen, zu weinen oder traurig zu sein. Sie können selbst entscheiden, wann sie sich mit dem Tod auseinandersetzen. Der Tod wird für Kinder meist erst real, wenn sie zum ersten Mal bewusst damit in Berührung kommen. Stirbt beispielsweise das Zwergkaninchen, dann erleben Kinder, wie der liebgewonnene Spielkamerad bewegungslos in seinem Käfig liegt und nicht mehr atmet. Erst jetzt verknüpfen sie mit dem Tod auch eine Endgültigkeit.

Mit 3–6 Jahren ist Kindern das Wort „tot“ bereits ein Begriff. Allerdings verbinden sie mit dem Wort eher ein Fortgehen oder eine Form von Schlaf, ein Leben auf Sparflamme, irgendwo an einem fernen Ort. Sie erwarten also gegebenenfalls eine Rückkehr des verstorbenen Tieres. Einfache Sätze wie „Paul ist nicht mehr da.“ oder „Bobby kommt nicht zurück.“ zu wiederholen, kann helfen, ein besseres Verständnis der Endgültigkeit zu erreichen. Oft fangen Kinder dann an, Fragen zu stellen. Antworten Sie ehrlich und gehen Sie dabei auf die Gefühlslage des Kindes ein. Wenn ein Kind sich vorstellen möchte, dass sein Hund im Himmel ist, antworten Sie nicht mit Ihrer eigenen, eventuell gegensätzlichen Meinung dazu. Geben Sie den Himmel als letzte Ruhestätte aber auch nicht vor. Ein Kind gibt Ihnen in diesem Moment eine Vorgabe, welche Sie annehmen und ausschmücken können.

Im Alter von 6–9 Jahren verstehen Kinder die Bedeutung hinter dem Wort „tot“ besser und haben ein eher sachlich-nüchternes Interesse daran. Man kann daher durchaus erleben, dass ein Kind bei der Euthanasie seines Tieres bereits um einen neuen vierbeinigen Kammeraden bittet. In diesem Alter sollte ein Kind ganz bewusst in die Planung und Durchführung einer Bestattung oder Trauerfeier mit einbezogen werden. Es empfiehlt sich hier besonders, dass das Kind während der Euthanasie mit im Behandlungsraum ist.

Ab dem 10. Lebensjahr liegt das Interesse oft bei dem biologischen Aspekt des Sterbens. Es wird hinterfragt, was genau mit dem Körper passiert. Für uns Erwachsene sind das oft Tabu brechende Fragen, die uns in Verlegenheit bringen. Seien Sie in dieser Situation ehrlich zu dem Kind, aber bleiben Sie in Ihren Aussagen sachlich.

Abschieds- und Gedenkrituale helfen

Für Kinder ist das Abschiednehmen vom geliebten Tier wichtig für den Trauerprozess. Altersentsprechende Rituale helfen, den Schmerz auszudrücken und zu durchleben. Ein Abschiedsritual ist dabei vor allem ein symbolisches Loslassen, welches die Endgültigkeit des Todes verdeutlicht. Kinder können beispielsweise die Urne für ihr Tier selbst bemalen oder etwas als Grabschmuck basteln. Gedenkrituale helfen, sich an die positiven Momente der gemeinsamen Zeit zu erinnern und diese schönen Erinnerungen für immer einzufangen, z. B. in einem Gedenkbuch, einer Gedenkkiste oder mithilfe eines Trauertagebuches.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema im neuen TFA-Praxisleitfaden „Tod und Trauer in der Kleintierpraxis – Euthanasie kompetent begleiten“:

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