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So fühlt die Katze sich geborgen.
Foto: Angelika Drensler
So fühlt die Katze sich geborgen.

Inhaltsverzeichnis

Katzenfreundliche Praxis

Katzenfreundlich, auch hinter den Kulissen

Wie sieht eine an die speziellen Bedürfnisse von Katzen angepasste stationäre Unterbringung und Behandlung aus? Wir geben Ihnen nützliche Tipps für den Praxisalltag.

Von Dr. med. vet. Angelika Drensler

In der Katzenpraxis ist es häufiger als bei anderen Spezies notwendig, Patienten stationär aufzunehmen und zu behandeln, sei es, weil sie kein Futter aufnehmen, Medikamente zuhause nicht appliziert werden können oder weil sie dringend infusionspflichtig sind. Um mit einer stationären Behandlung den gewünschten Erfolg, nämlich die Genesung der Katze, zu erzielen, muss auch die Betreuung in der Katzenstation den Anforderungen der katzenfreundlichen Praxis entsprechen. Immer wieder schauen wir unsere Praxis mit „Katzenaugen“ an, um Stressfaktoren zu entlarven.

Allgemeine Grundsätze der katzenfreundlichen Praxis

Katzen sind als Patienten nicht grundsätzlich gefährlich, aggressiv oder böse. Doch sie erfahren den Besuch in einer Tierarztpraxis als einen dramatischen und bedrohlichen Eingriff in ihr Leben. Als Tiere mit einem hohen Maß an Selbstbestimmungswillen empfinden sie schon den Transport im Korb und die Verbringung in eine fremde Umgebung als sehr frustrierend. Ihr natürlicher Schutzmechanismus in gefährlichen Situationen ist die Flucht, die auf dem Behandlungstisch natürlich vereitelt wird. In der Folge beherrschen Angst, Frustration und Stress die Reaktion der Katze, was nicht selten zu Kratz- und Bissverletzungen bei den beteiligten Personen führt. Was können wir tun, um die Situation für unsere Patienten erträglicher zu machen? Wir versetzen uns in die Katze und finden Stressfaktoren, die wir eliminieren können.

Alle „Verhaltensregeln“ der katzenfreundlichen Praxis können wir mit in unsere Station nehmen und dort anwenden, um unseren Patienten den Aufenthalt zu erleichtern.

Verhaltensregeln für die katzenfreundliche Praxis

  • Wir empfehlen und schulen Transportkorbtraining.
  • Wir vermeiden Hund-Katze-Kontakte in der Praxis.
  • Wir minimieren Wartezeiten.
  • Wir minimieren laute Geräusche wie Telefonklingeln und laute Stimmen in der Behandlung.
  • Wir minimieren scharfe Gerüche, z. B. Desinfektionsmittel.
  • Wir benutzen Pheromone und Kuscheldecken.
  • Wir lassen der Katze Zeit, sich an die Umgebung zu gewöhnen.
  • Wir halten die Katze nicht fest, sondern begrenzen sie mit Decke und unserem Körper.
  • Wir benutzen niemals den Nackengriff, den Sack oder den Zwangskäfig.
  • Stattdessen setzen wir stress- und angstlösende Medikamente ein, z. B. Gabapentin, Opioide oder Sedativa in sehr geringen Dosierungen.
  • Die Untersuchungen geschehen in langsamen, sanft streichelnden Bewegungen und wenn möglich von hinten. Wir vermeiden es, wenn möglich, der Katze frontal ins Gesicht zu schauen. Notfalls entspannen wir den starrenden Blick mit einem „Slow Blink“ (langsames Schließen und Öffnen der Augen, den Katzen abgeschaut).
  • Wir reden mit der Katze beruhigend mit sanfter Stimme, wobei wir Zischlaute vermeiden.

Und immer wieder: Das Ganze geschieht mit Ruhe und Geduld.

Die Einrichtung der Katzenstation

Dass in einer Katzenstation niemals Hunde untergebracht werden, versteht sich von selbst. Die Boxen sollten, wenn möglich, an einer Wand angebracht werden und kein Gegenüber haben, damit die Katzen keine Gelegenheit haben, andere Katzen anzuschauen oder anzustarren. Weiterhin sollten die untersten Boxen mindestens 50 Zentimeter über Fußbodenniveau sein, um den Stress durch vorbeilaufende Füße zu vermeiden (Abb. 1). Die Größe der einzelnen Boxen sollte es ermöglichen, ein angemessen großes Katzenklo, eine Liegefläche mit Versteck sowie Futter- und Wasserschälchen zu platzieren (Abb. 2). Exakte Abmessungen für die Boxen bei Ein- oder Mehrtagesunterbringung nach dem „Catfriendly-Clinic-Standard“ der ISFM findet man unter: www.catfriendlyclinic.org.

Da Boxen aus Edelstahl das einfallende Licht reflektieren und Katzen diese Reflexe als bedrohlich und ängstigend empfinden, sollten solche Boxen mit Stoff oder Zellstoff ausgekleidet/abgeklebt werden. Ein Versteck lässt sich leicht bauen, z. B. mit einem Karton, mit der katzeneigenen Transportbox oder, wie bei uns, mit einem abwaschbaren Kunststofftritt und einer Kuscheldecke. Die Katze kann sich darunter verstecken oder darauf sitzen, um den Überblick zu behalten, je nach Charakter.

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Zu einer Katzenstation in der katzenfreundlichen Praxis gehört immer auch eine Isolierstation, denn Katzen haben häufig sehr ansteckende Krankheiten, z. B. Katzenschnupfen. Gerade in einer Situation, die von Krankheit und Stress geprägt ist, sind die Abwehrkräfte der Patienten hochgradig geschwächt und Erreger wie Bakterien oder Viren haben leichtes Spiel, sich zu verbreiten. Aber nicht nur infektiöse Patienten dürfen in der Isolierstation sitzen. Manchmal ist es sinnvoll, eine nicht besetzte „Iso“ zu nutzen, um eine hysterische Katze getrennt zu setzen, denn diese kann alle anderen sonst sehr ruhigen Patienten mit ihrer Panik und Hysterie anstecken. Und auch stark verflohte Patienten müssen bei uns manchmal zuerst isoliert werden, bis von ihnen keine Ansteckungsgefahr mehr ausgeht.

Pflege und Fütterung

Für die stationäre Betreuung gelten dieselben Grundsätze wie für die Behandlung. Wir respektieren die Angst der Katze in einer fremden Umgebung und versuchen, sie zu minimieren. Der Umgang mit dem Patienten ist respektvoll und liebevoll.

Wir vermeiden:

  • laute oder erschreckende Geräusche,
  • scharfe Gerüche,
  • plötzliche, heftige oder schnelle Bewegungen.

Die Pflege der Patienten sollte durch Fachpersonal unterstützt und im Idealfall von „echten Katzenmenschen“ durchgeführt werden. Dabei ist es sehr wichtig, sich in engen Zeitintervallen ein Bild von der Befindlichkeit der einzelnen Patienten zu machen. Anders als in der Humanmedizin können unsere Katzen keinen Klingelknopf drücken, wenn sie Hilfe benötigen. Wir beobachten nicht nur das Verhalten, die Futteraufnahme, den Kot- und Urinabsatz, sondern führen auch regelmäßig ein Schmerzmonitoring durch.

Zur objektiven Schmerzbeurteilung können verschiedene Messinstrumente benutzt werden. Lange Zeit galt die Glasgow Pain Scale als Goldstandard. Allerdings muss man schon einige Übung haben, um die Fragen, die zur Bewertung zu beantworten waren, in einer vernünftigen Zeit abzuarbeiten. Heute haben wir für die Einschätzung des akuten Schmerzes die Feline Grimace Scale zur Verfügung, die Paulo Steagall und seine Forschungsgruppe entwickelt und evaluiert haben. Fünf Fragen müssen mit nein, vielleicht oder ja beantwortet werden, was in Punkten 0, 1 oder 2 entspricht. In der Summe sind 0 bis 10 Punkte als Ergebnis möglich. Beurteilt werden dabei die Ohrposition, die Augenöffnung, die Form der Oberlippen, die Position der Tasthaare und Haltung des Kopfes (Abb. 3):

  • Ohrposition: nach vorne gerichtet – seitlich gerichtet – nach hinten gerichtet bis geklappt
  • Augenöffnung: rund – mandelförmig – schlitzförmig bis geschlossen
  • Form der Oberlippen: rund – rundoval – oval
  • Position der Tasthaare: entspannt hängend – aufgerichtet – gespannt nach hinten gerichtet
  • Haltung des Kopfes: aufrecht über dem Körper – geduckt, Augen in Schulterhöhe – eingezogen, unter Rückenlinie

Bei fünf Kriterien ist die Summe schnell gebildet und eine Entscheidung einfach: Bei vier oder mehr Punkten sollte ein passendes Schmerzmittel eingesetzt werden.

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Abb. 3: Hier sieht man schematisch die Veränderungen des Gesichts (Ohren, Augen, Lippen, Schnurrhaare) zwischen normal und sehr schmerzhaft (von links nach rechts) 
Quelle: Evangelista, MC, Watanabe, R, Leung, VSY et al. (2019): Facial expressions of pain in cats: the development and validation of a Feline Grimace Scale. Sci Rep 9, 19128. https://doi.org/10.1038/s41598-019-55693-8; veröffentlicht unter Creative Commons Lizenz CC BY 4.0.
Foto: Paulo V. Steagall
Abb. 3: Hier sieht man schematisch die Veränderungen des Gesichts (Ohren, Augen, Lippen, Schnurrhaare) zwischen normal und sehr schmerzhaft (von links nach rechts)
Quelle: Evangelista, MC, Watanabe, R, Leung, VSY et al. (2019): Facial expressions of pain in cats: the development and validation of a Feline Grimace Scale. Sci Rep 9, 19128. https://doi.org/10.1038/s41598-019-55693-8; veröffentlicht unter Creative Commons Lizenz CC BY 4.0.

Kriterien zur Schmerzbeurteilung

  • Körperhaltung
  • Aktivität
  • Temperament, Stimmung
  • Vokalisation
  • Interaktion mit Menschen
  • Reaktion auf Berührung, Druck, Palpation
  • Aufmerksamkeit auf die Wunde oder die schmerzhafte Stelle
  • Gesichtsausdruck, Ohrenstellung, Kopfhaltung

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Auch die Ernährung gehört zur Pflege unserer Intensivpatienten. Am liebsten sind uns natürlich die Katzen, die sich über den gereichten Futternapf freuen und sofort fressen. Doch das ist leider nicht die Regel in der Katzenstation. Selbst Katzen, die nicht inappetent sind, müssen häufig zum Fressen überredet werden. Streicheleinheiten und liebe Worte wirken manchmal Wunder, ebenso wie die Frage an die Besitzer, welches Futter ihr Kätzchen bevorzugt. Feuchtfutter kann man mit etwas heißem Wasser schmackhafter machen, Trockenfutter wird vielleicht durch kleine Spielereien interessanter. Manche Katzen lassen sich gut mit der Spritze oder mit dem Finger füttern, für andere ist dies eine unzumutbare Quälerei. Hier sollten wir schnell eine Grenze ziehen und von der Zwangsfütterung absehen.

In vielen Fällen können wir heute zu Medikamenten greifen, um den Appetit der Katze anzuregen. Mirtazapin in der transdermalen Applikation (Mirataz®) ist einfach und stressfrei anzuwenden. Wenn die Katze bei dem Fütterungsversuch stark gespeichelt hat, können wir davon ausgehen, dass sie mit Übelkeit zu kämpfen hat. Dann ist auch der Einsatz von z. B. Maropitant sinnvoll und oft wirksam.

Falls alles nicht hilft und die Katze trotz unserer Bemühungen nicht fressen will, greifen wir zur Sondenernährung. Hierbei stehen uns die Nasensonde und die Ösophagussonde zur Verfügung.

Die Nasensonde ist vergleichsweise einfach zu applizieren. Die Katze braucht höchstens eine leichte Sedierung, manchmal reicht sogar nur die Lokalanästhesie am Nasenloch. Man kann die Sonde, wenn sie richtig liegt, am Halskragen festkleben. Sie wird meistens gut toleriert und ist sehr einfach zu benutzen. Der Nachteil der Nasensonde ist das kleine Lumen, durch das nur flüssige Nahrung gespritzt werden kann. Zusätzliche Nachteile sind die Notwendigkeit des Halskragens sowie der stationären Versorgung und Pflege. Zudem ist die Verweildauer einer Nasensonde recht begrenzt.

Das Einlegen einer Ösophagussonde ist dagegen deutlich invasiver. Wir benötigen eine kurze Vollnarkose, um den Zugang zur Speiseröhre über eine Öffnung am Hals zu legen und die Sonde zu fixieren. Danach wird die Sonde mit einem Halsverband zusätzlich befestigt und geschützt. Ösophagussonden haben einen Durchmesser, der die Fütterung mit sondenfähiger Feuchtnahrung (z. B. Hill´s a/d oder Royal Canin Recovery) ermöglicht. Eine solche Sonde kann nicht nur eine längere Zeit (Tage bis Wochen) liegen bleiben, sondern auch zuhause vom Besitzer gepflegt und genutzt werden.

Die Fütterungsmenge sollte vor Beginn über den erforderlichen Kalorienbedarf des Patienten berechnet werden. Falls die Katze einige Tage nicht gefressen hat, muss zur Vermeidung eines Refeedingsyndroms die tägliche Futtermenge auf ein Drittel am ersten Tag und zwei Drittel am zweiten Tag reduziert werden.

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Welches Schema für die Zahndokumentation bei Hunden und Katzen genutzt wird und worauf es ankommt, lesen Sie in unserer übersichtlichen Schritt-für-Schritt-Anleitung.
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Was ist ein Refeeding-Syndrom?

Das Refeedingsyndrom stellt eine lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung dar, die bei Patienten nach längeren Hungerphasen bei plötzlicher Kalorienzufuhr entstehen kann. Dabei kommt es u. a. zu schweren kardiologischen, neurologischen und hämatologischen Störungen.

Dauertropfinfusionen

Viele unserer stationären Patienten sind infusionspflichtig. Weil das Blutvolumen der Katze mit 50–60 ml/kg deutlich unter dem des Hundes (80–90 ml/kg) liegt, infundieren wir niemals ohne einen Infusomaten. Die Menge muss vorab geplant und auf 24 Stunden verteilt werden. Zu bedenken ist auch, dass bei Katzen in jedem Alter das Risiko einer nicht erkannten Herzerkrankung besteht, welche bei Überinfusion schnell zu Komplikationen führen kann.

Der Sitz der Braunüle muss regelmäßig kontrolliert werden. Bei manchem Patienten, z. B. postoperativ oder bei Kreislaufsuppression, ist die Erwärmung der Infusionsflüssigkeit sinnvoll. Diese muss kurz vor dem Patienten geschehen, damit sich die Flüssigkeit nicht im Schlauch wieder abkühlt (Abb. 4).

Die Wärme ist insgesamt ein wichtiges Thema in der Katzenstation. Die Wohlfühltemperatur der meisten Katzen liegt bei über 25 °C. Gerade kranke oder frisch operierte Patienten haben Probleme, die physiologische Körpertemperatur zu halten (Abb. 5). Verschiedene Möglichkeiten zur Erwärmung unserer Patienten stehen uns zur Verfügung: Rotlicht, elektrische Heizmatten mit Temperaturregler, Kirschkernkissen, Warmluftbetten. Allen Methoden ist eins gemeinsam: Die Patienten müssen streng überwacht werden, um Verbrennungen oder Überhitzung zu vermeiden.

Gründe für eine stationäre Behandlung (Beispiele)

  • Anorexie: Katzen, die über mehrere Tage kein Futter aufnehmen, können schwere Stoffwechselentgleisungen erleiden, z. B. die hepatische Lipidose, bei der es zu einer Schädigung der Leberzellen kommt. Hiervon sind besonders adipöse Katzen betroffen.
  • CNE IRIS-Stage 3 oder 4: Bei Katzen mit einer fortgeschrittenen Nierenerkrankung kann es sinnvoll sein, eine Infusionstherapie über einige Tage zur Anregung der Nierentätigkeit und zur Ausschwemmung von Giftstoffen einzusetzen.
  • Pankreatitis/Triaditis o. Ä.: Die Symptome der Pankreatitis sind unter anderem Anorexie, Erbrechen und starke Bauchschmerzen. Die Patienten brauchen eine Schmerztherapie, Infusionen/Medikamente und Fütterung, notfalls Sondenernährung.
  • Betreuung nach schwereren Eingriffen (z. B. Darmoperationen): Hierbei geht es ebenfalls um Schmerztherapie und Flüssigkeitszufuhr, bis wieder Futter aufgenommen werden kann.
  • Betreuung nach schweren Zahnoperationen (z. B. Totalextraktionen): Diese Patienten haben möglicherweise starke Schmerzen und benötigen ein engmaschiges Schmerzmonitoring mit angepasster Therapie.
  • Immobilisierung nach Knochen- oder Gelenkoperationen: Wenn eine Ruhigstellung nach der OP zuhause nicht möglich ist, muss die operierte Katze vielleicht einige Tage stationär betreut werden. Hierbei liegt der Vorteil in der Möglichkeit des angepassten Schmerzmanagements.

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Weitere Tipps und Tricks

Unsere Patienten müssen nicht nur in ihrer Box beobachtet, sondern auch in regelmäßigen Abständen untersucht werden. Dazu nehmen wir sie aus der Box, vorzugsweise in ihre eigene Kuscheldecke mit Pheromonen (präpariert z. B. mit Feliway Classic Spray®) gehüllt. Ideal ist ein Behandlungstisch in der Katzenstation in unmittelbarer Nähe zu den Boxen (Abb. 6). Dies ermöglicht eine Untersuchung und Behandlung ohne weite Wege. Unsere Infusionsschläuche haben immer eine Verlängerung, nicht nur, um der Katze Bewegungsfreiheit in der Box zu geben, sondern auch, damit wir sie auf den Tisch setzen können, ohne die Infusion aus dem Infusomaten nehmen zu müssen. Auf dem Behandlungstisch steht auch eine Waage; Fieberthermometer und Phonendoskop sind ebenfalls griffbereit.

Die ermittelten Untersuchungsparameter werden ebenso wie alle vorher erwähnten Beobachtungen und die geplante und durchgeführte Therapie auf dem Stationsprotokoll dokumentiert.

Die oben erwähnte Kuscheldecke spielt eine unangefochtene Hauptrolle in unserer katzenfreundlichen Praxis. Sie begleitet die Katze, wo immer sie sich in unserer Praxis befindet. Sie liegt bei Ankunft und im Wartezimmer über dem Transportkorb, im Behandlungsraum auf dem Tisch, hängt in der Katzenstation vor dem Gitter und dann wieder auf dem Röntgen- oder Ultraschalltisch. Sie gibt der Katze Geborgenheit, ein Versteck und ein gutes Gefühl durch die applizierten Pheromone.

Eine besondere Herausforderung ist die Reinigung der Katzenstation, wenn sich dort eigentlich immer Patienten befinden. Sowohl die Benutzung eines Staubsaugers als auch die flächendeckende Versprühung von Desinfektionsmitteln verbieten sich aus Gründen der Stressminimierung. Der Boden wird mit Besen und Wischmop gesäubert. Die Reinigung der Boxen erfolgt zuerst mit warmem Wasser und einem sauberen Schwamm. Wenn der Verdacht besteht, die Flächen könnten mit infektiösen Keimen kontaminiert sein, wird ein Flüssigdesinfektionsmittel mit einem sauberen Tuch benutzt. Die Ausnahmesituation einer leeren Katzenstation wird bei uns ausgenutzt, um ein umfängliches und lautes Großreinemachen mit Staubsaugen bis in die letzten Ecken vorzunehmen.

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Abb. 6: Ein Behandlungstisch in der Nähe der Boxen ist praktisch, erspart weite Wege und Stress für die Katzen. Waage, Thermometer und die wichtigsten Utensilien zur Blutentnahme oder Venenkatheter-Applikation direkt am Platz erleichtern die notwendige Pflege unserer Stationspatienten.
Foto: Angelika Drensler
Abb. 6: Ein Behandlungstisch in der Nähe der Boxen ist praktisch, erspart weite Wege und Stress für die Katzen. Waage, Thermometer und die wichtigsten Utensilien zur Blutentnahme oder Venenkatheter-Applikation direkt am Platz erleichtern die notwendige Pflege unserer Stationspatienten.

Zusammenarbeit mit den Katzenbesitzern

Auch wenn die Betreuung der Katzen in unserer Katzenstation „hinter den Kulissen“ stattfindet, dürfen wir die liebenden Besitzer, die zuhause sitzen und bangen, nicht vergessen. Das beginnt mit einem Aufnahmebogen, in dem wir abfragen, welche Futtergewohnheiten die Katze hat und welche Medikamente sie in welcher Dosierung dauerhaft bekommt. Auf diesem Formular notieren wir die aktuelle Mobilnummer und erbitten vom Besitzer außerdem die Erlaubnis, im Notfall ohne telefonische Rücksprache lebenserhaltende Maßnahmen an seiner Katze vornehmen zu dürfen.

Wir bemühen uns, die Besitzer regelmäßig, mindestens einmal täglich und bei allen Änderungen, über den Zustand ihrer Tiere zu informieren. Katzen profitieren häufig sehr von Besuchen ihrer geliebten Menschen, weshalb wir dies aktiv anbieten und möglich machen, z. B. während der Sprechstundenpausen in der Mittagszeit.

Um das Licht am Ende des Tunnels hell zu halten, versuchen wir, einen Entlassungstermin in Aussicht zu stellen. Wenn es dann so weit ist und unser Patient nachhause darf, vereinbaren wir unbedingt Kontroll- oder Nachbehandlungstermine oder ein Telefonat, manchmal auch das Senden einer SMS, um über die Heilungsfortschritte des Kätzchens informiert zu werden. Die Anweisungen zur Therapie zuhause – welche Medikamente wann und wie – geben wir mündlich und schriftlich.

Zuletzt geben wir bei Bedarf den glücklichen Katzenbesitzern Tipps, wie sie unseren Patienten möglichst unproblematisch wieder in ihren Mehrkatzenhaushalt integrieren können.

Über die Autorin

Angelika Drensler ist Fachtierärztin für Kleintiere in Elmshorn. Ihre Praxis war eine der ersten Praxen Deutschlands, die von der ISFM (International Society of Feline Medicine) als „Cat friendly Clinic“ zertifiziert wurden. Sie ist Gründungsmitglied der „Deutschen Gruppe Katzenmedizin“ und Leiterin der Arbeitsgruppe Katzenmedizin der DGK-DVG. Kontakta.drensler@t-online.de

Buchtipp

Zum Weiterlesen

Mehr über das Konzept der katzenfreundlichen Praxis, die Welt unserer samtpfötigen Stubentiger, leicht umsetzbare Maßnahmen zur Stressreduktion, viel Downloadmaterial und jede Menge wertvolle Tipps für das ganze Team finden Sie im Praxisleitfaden von Angelika Drensler.

Hier finden Sie eine kostenlose Leseprobe.

Infos zum Buch: Angelika Drensler: Cattitude. Wie wir Katzen in der Tierarztpraxis verstehen und ihnen das Leben leichter machen. Schlütersche 2018, 144 Seiten, 89 Abbildungen, 2 Tabellen, 24,95 Euro, ISBN 978-3-89993-973-6

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Nicht allen Katzen ist beim Tierarzt nach kuscheln zu Mute.

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