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Die Leber kann sich gut regenerieren sofern die Schäden nicht zu weit fortgeschritten sind
Foto: Shyjo/Shutterstock.com
Die Leber kann sich gut regenerieren sofern die Schäden nicht zu weit fortgeschritten sind

Inhaltsverzeichnis

Lebererkrankungen

Die Leber, das Super-Organ!

Symptome von Lebererkrankungen sind sehr unspezifisch und treten oft erst spät auf. Was tun, wenn der Tausendsassa schwächelt?

Von Dr. med. vet. Sabine Wagner

Die Leber ist ein Organ mit unfassbar vielen Aufgaben. Fast alles, was im Magen-Darm-Trakt aufgenommen wird, gelangt über die Pfortader zuerst einmal in die Leber. Dort werden die aufgenommenen Stoffe – je nachdem – entgiftet, gespeichert oder in körpereigene Substanz umgebaut. Auch Endprodukte aus dem Stoffwechsel werden natürlich in der Leber verarbeitet. Plasmaprotein wie Globuline und Albumin sowie Gerinnungsfaktoren werden hier gebildet. Außerdem produziert die Leber ständig Gallenflüssigkeit, die für die Fettverdauung benötigt wird. Und noch vieles mehr! Geschätzte 1.500 verschiedene Funktionen kann jede Leberzelle ausführen. Bei diesen vielen Aufgaben ist es verständlich, dass Erkrankungen der Leber entsprechend schwerwiegende Folgen haben

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Was kann die Leber krank machen?

Der Oberbegriff für Lebererkrankungen lautet Hepatopathie – dieser umschreibt alle Probleme der Leber. Hepathopatien sind angeboren oder erworben, können entzündlich oder nicht entzündlich sein, akut oder chronisch verlaufen und verschiedene Ursachen und Ausprägungen haben. Neben Giften und einigen Medikamenten können auch Parasiten, Bakterien und Viren die Leber angreifen. Auch anatomische Abweichungen wie ein portosystemischer Shunt können auftreten.

Welche Symptome zeigen die Patienten?

Dummerweise sind die Symptome von Lebererkrankungen sehr unspezifisch und treten meist überhaupt erst dann auf, wenn schon mehr als die Hälfte der Leber in Mitleidenschaft gezogen ist. Symptome wie Durchfall, Erbrechen, vermehrter Durst, vermehrter Harnabsatz, Fieber, Appetitlosigkeit und Schwäche können auftreten. Es gibt also kein Leitsymptom, das unmissverständlich auf die Leber hinweist, bis auf die Gelbsucht (= Ikterus). Ein Ikterus tritt aber nicht zwingend bei jeder Lebererkrankung auf und wenn, dann in der Regel erst, wenn die Erkrankung schon weit fortgeschritten ist. Auch ein entfärbter Kot ist ein eindeutiges Symptom, er tritt nur bei kompletten Gallengangsverschlüssen auf.

Welche Folgen kann eine Leberfunktionsstörung haben?

Die Verwertung der Nährstoffe und damit auch der Aufbau körpereigener Stoffe sind nur noch eingeschränkt möglich. So ist z.B. die Eiweißsynthese gestört, was Muskelschwund, Immunschwäche und Bauchwassersucht zur Folge hat. Die Abbauprodukte aus der Eiweißverdauung – wie das sehr aggressive Ammoniak – können nicht mehr ausreichend in unschädliche Substanzen umgebaut werden. Dies verursacht eine innere Vergiftung mit neurologischen Symptomen bis hin zum Koma (= hepatische Enzephalopathie). Auch wird das Vermögen der Niere den Harn zu konzentrieren eingeschränkt, weshalb viel Urin ausgeschieden wird. Dadurch gehen übermäßig viele Mineralstoffe und wasserlösliche Vitamine verloren. Ist der Gallenfluss beeinträchtigt, kommt es zu Fettverdauungsstörungen. Es kann zu Problemen mit dem Glukosestoffwechsel kommen, sodass starke Schwankungen des Blutzuckers auftreten können. Die Blutgerinnung kann beeinträchtigt sein und noch vieles mehr.

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Was können wir mit der Ernährung tun?

Zunächst ist es wichtig, weitere Schäden zu vermeiden, eventuell entstandene Nährstoffmängel zu beheben und den Ernährungszustand zu stabilisieren. Sofern möglich, sollte selbstverständlich auch die auslösende Ursache abgestellt werden. Die Ernährung wird der bestehenden Problematik angepasst.

In den meisten Fällen ist eine Diät mit moderatem Eiweißgehalt, aber besonders hochverdaulicher Eiweißquelle, geeignet. Weiterhin sollte die Diät genug hochwertiges Fett mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren enthalten, um eine ausreichende Energieversorgung zu gewährleisten. Etwas mehr wasserlösliche Vitamine und deutlich mehr Antioxidantien sind ebenfalls ratsam. Natürliche Antioxidantien sind beispielsweise Vitamin A, Vitamin E, Silymarin aus der Mariendistel, Polyphenole aus Traubenkernextrakten etc. Sie sollen die angegriffenen Zellen vor weiterem Stress schützen und bei der Regeneration der Leber helfen. Denn regenerieren kann die Leber sich gut, sofern die Schäden nicht zu weit fortgeschritten sind

Ist zu viel an Gewebe zerstört, kann sich die Leber irgendwann nicht mehr regenerieren. Abgestorbene Leberzellen werden durch fibröses Gewebe ersetzt (= Fibrose). Diese Bindegewebsstrukturen sind faserig, fest, wenig dehnbar und können den Blutfluss in der Leber beeinträchtigen, sodass weitere Schäden entstehen. Ist dieser Prozess des bindegewebigen Umbaus weit fortgeschritten, spricht man von einer Zirrhose (siehe Abb. 1). Interessanterweise kann es bei diesen extrem fortgeschrittenen Fällen sogar sein, dass höhere Eiweißgehalte im Futter benötigt werden, aber bei einem veränderten Fütterungsmanagement. Viele kleine Portionen am Tag, keine zu großen Abstände und nie zu viel Futter auf einmal sind empfehlenswert. So hat sich beispielsweise die Einführung eines „Mitternachtssnacks“ als sehr vorteilhaft für die Stickstoffbilanz des Patienten erwiesen. Selbstverständlich ist hier die Verdaulichkeit des Eiweißes extrem wichtig.

Bei schweren Leberinsuffizienzen und einem portosystemischen Shunt ist üblicherweise aber eine massive Reduktion der Eiweißzufuhr notwendig, um die Anflutung giftiger Stoffwechselprodukte zu minimieren. Sonst kann eine innere Vergiftung mit neurologischen Symptomen bis hin zum Leberkoma auftreten. Wenig Eiweiß, dafür aber sehr hochwertig und höchstverdaulich! Dazu entsprechende Faserstoffe, um durch ein leicht saures Darmmilieu die Aufnahme von Ammoniak aus dem Darm zu minimieren. Hierfür könnte auch (vorsichtig!) Laktose eingesetzt werden.

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Ist aufgrund eines eingeschränkten Galleflusses (Tumor, Steine, Sludge, Narbenstriktur, etc.) die Fettverdauung eingeschränkt oder liegt eine Leberverfettung vor (z. B. feline hepatische Lipidose), sollte die Diät deutlich fettreduziert sein. In diesen Fällen müssen adäquate Mengen leicht verwertbarer Kohlenhydrate für eine ausreichende Energiezufuhr sorgen.

Literatur bei der Autorin.

Über die Autorin

Sabine Wagner ist Gebietsleiterin im Veterinärbereich bei Vet-Concept und widmet sich seit 2010 mit besonderem Engagement den Vet-Concept-Seminaren für Tiermedizinische Fachangestellte. Sie studierte und promovierte an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und war nachfolgend als wissenschaftliche Mitarbeiterin in verschiedenen Instituten tätig, um sich dann auf die Ernährungsberatung von Kleintieren zu spezialisieren. Seit 2005 gibt sie ihr Wissen in Fortbildungen zur Ernährung und Diätetik von Kleintieren weiter.

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