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Steckbrief

Was Halter über Degus wissen sollten

Der Degu braucht Gesellschaft und eignet sich keinesfalls für die Einzelhaltung.

Von Dr. med. vet. Patricia Kaulfuß und Daniela Rickert

Werden Degus nicht artegerecht gehalten, können Verhaltensstörungen auftreten, die das Leben der Kleinnager gefährden. Halter sollten daher gut über die Haltungsbedingungen der Degus informiert sein.

Systematik

Stachelschweinverwandte – Meerschweinchenverwandte – Trugrattenartige

Lebenserwartung

3–5 (bis 10) Jahre

Geschlechtsreife

ab 8 Wochen

Herkunft

Degus kommen ursprünglich aus Chile und leben tag- und dämmerungsaktiv in Verbänden mit mehreren Familien.

Haltung

Als Besonderheit können Degus UV-Licht sehen. Frischer Urin enthält UV-Licht-reflektierende Stoffe, da die Tiere Urin zum Duftmarkieren benutzen, können sie vermutlich sehen, wo kürzlich Artgenossen vorbeigelaufen sind. Während ihrer Aktivitätsphasen sind sie extrem lauf-, grab- und nagefreudig. Dies sollte auch bei der Einrichtung des Käfigs berücksichtigt werden. Daher sollte die Einrichtung aus verschiedenen Ebenen aufgebaut sein und zusätzlich über mehrere Schlafhöhlen und ein Sandbad mit Spezialsand verfügen. Da die Einstreutiefe mindestens 15 cm betragen sollte (bestenfalls mehr), wäre eine tiefe Schale mit Gitteraufbau die ideale Haltungsform. Ein reines Terrarium kann abnormal-repetitives Graben und „in den Ecken hochspringen“ fördern. Ein reiner Käfig hingegen bietet nicht genug Tiefe für die Einstreu und kann somit abnormal-repetitives Gitternagen hervorrufen.

Sozialverhalten

Degus sollten nie allein gehalten werden. Die Gruppenhaltung (z. B. Haremshaltung) ist daher am tiergerechtesten. Auch Degus lassen sich am besten vor Erreichen der Geschlechtsreife vergesellschaften. Eine nachträgliche Vergesellschaftung ist aufgrund der intraspezifischen Aggression zwar aufwendig, aber möglich, wenn verschiedene Aspekte dabei berücksichtigt werden. Das Gehege der Degus sollte nicht zu oft verändert werden, da dies die Tiere unter Stress setzt. Das ranghöchste Tier legt beispielsweise aus Einstreu einen Hügel an, von dem aus es das Revier beobachtet. Wird dieser Hügel bei der Reinigung zerstört, kann es zu Rangordnungskämpfen kommen.

Ernährung

Degus sind Magerköstler. Daher ist der wichtigste Bestandteil des Futters rohfaserreiches Heu. Dies kann mit geeignetem Grünfutter wie Kräutern oder Gemüse (z. B. Gurke, Paprika, Brokkoli oder Zucchini) ergänzt werden. Erhalten Degus zu wenig Raufutter (Heu) und Nagematerial, neigen sie zum Fellfressen.

Verhaltensauffälligkeiten

Bei Platzmangel oder Überbevölkerung werden Jungtiere durch andere Gruppenmitglieder als die Eltern getötet und aufgefressen.

Über die Autorinnen

Dr. med. vet. Patricia Kaulfuß ist Tierärztin und Praxisinhaberin mit der Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie. Sie ist zudem Sachverständige für Sachkunde- und Wesensprüfungen.

Daniela Rickert ist Fachtierärztin für Tierschutz, arbeitet als Amtstierärztin und ist Leiterin des Arbeitskreises Zoofachhandel und Heimtiere der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e. V. (TVT).

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