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Foto: Vladimir Wrangel - Fotolia.com
Degu (Octodon degus). Wildlife animal.

Steckbrief

Was Halter über Degus wissen sollten

Der Degu braucht Gesellschaft und eignet sich keinesfalls für die Einzelhaltung.

Von Dr. med. vet. Barbara Schneider und Dr. med. vet. Patricia Solms

Werden Degus nicht artegerecht gehalten, können Verhaltensstörungen auftreten, die das Leben der Kleinnager gefährden. Halter sollten daher gut über die Haltungsbedingungen der Degus informiert sein.

Systematik

Stachelschweinverwandte – Meerschweinchenverwandte – Trugrattenartige

Lebenserwartung

5–8 (bis 10) Jahre

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Geschlechtsreife

Männchen ab 6 Wochen, Weibchen ab 10–12 Wochen

Herkunft

Degus kommen ursprünglich aus Chile und leben tag- und dämmerungsaktiv in Familienverbänden. Diese Verbände können sich zu Kolonien von bis zu 100 Tieren zusammenschließen.

Ernährung

Degus sind Magerköstler. Daher ist der wichtigste Bestandteil des Futters rohfaserreiches Heu. Dies kann mit geeignetem Grünfutter wie Kräutern oder Gemüse (z. B. Gurke, Paprika, Brokkoli oder Zucchini) ergänzt werden. Erhalten Degus zu wenig Raufutter (Heu) und Nagematerial, neigen sie zum Fellfressen. Aufgrund ihrer Anfälligkeit für Diabetes (Zuckerkrankheit) dürfen Degus kein Futter mit Melasse, Zuckerzusätzen oder getrockneten Früchten erhalten! Auch Nagerdrops etc. sind tabu.

Haltung

Als Besonderheit können Degus UV-Licht sehen. Frischer Urin enthält UV-Licht-reflektierende Stoffe. Da die Tiere Urin zum Duftmarkieren benutzen, können sie vermutlich sehen, wo kürzlich Artgenossen vorbeigelaufen sind. Während ihrer Aktivitätsphasen sind sie extrem lauf-, grab- und nagefreudig. Dies sollte auch bei der Einrichtung des Käfigs berücksichtigt werden. Daher sollte die Einrichtung nicht aus Plastik bestehen, das zernagt und abgeschluckt werden kann. Zudem soll die Haltungseinheit aus verschiedenen Ebenen aufgebaut sein und über mehrere Schlafhöhlen und ein Sandbad mit Spezialsand verfügen.

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Da die Einstreutiefe mindestens 15 cm betragen sollte (besser mehr), wäre eine tiefe Schale mit Gitteraufbau die ideale Haltungsform. Ein reines Terrarium kann abnormal-repetitives Graben und „in den Ecken hochspringen“ fördern. Ein reiner Käfig hingegen bietet nicht genug Tiefe für die Einstreu und kann somit abnormal-repetitives Gitternagen hervorrufen. Kontrollierter Freilauf in einem Degu-sicheren Bereich muss zusätzlich täglich angeboten werden.

Sozialverhalten

Degus sollten nie allein gehalten werden. Die Gruppenhaltung (z. B. Haremshaltung) ist daher am tiergerechtesten. Degus lassen sich am besten vor Erreichen der Geschlechtsreife vergesellschaften. Eine nachträgliche Vergesellschaftung ist aufgrund der intraspezifischen Aggression zwar aufwendig, aber möglich, wenn verschiedene Aspekte dabei berücksichtigt werden.

Das Gehege der Degus sollte nicht zu oft verändert werden, da dies die Tiere unter Stress setzt. Das ranghöchste Tier legt beispielsweise aus Einstreu einen Hügel an, von dem aus es das Revier beobachtet („Feldherrenhügel“). Wird dieser Hügel bei der Reinigung zerstört, kann es zu Rangordnungskämpfen kommen.

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Verhaltensauffälligkeiten

Bei Platzmangel oder Überbevölkerung werden Jungtiere durch andere Gruppenmitglieder, nicht von den Elterntieren, getötet und aufgefressen. Einzelhaltung aber auch restriktive, nicht tiergerechte Haltungsbedingungen können bei Degus zu abnormal-repetitivem Verhalten (AVR) führen. Dazu gehören beispielsweise stereotypes Stangennagen, Eckenspringen oder stereotypes Auf- und Ablaufen. Daher ist auf eine tiergerechte Haltung in stabilen Gruppen zu achten.

Über die Autorinnen

Dr. med. vet. Barbara Schneider ist Fachtierärztin für Verhaltenskunde mit jahrelanger Erfahrung in der verhaltenstherapeutischen Praxis. 

Dr. med. vet. Patricia Solms ist Tierärztin und Praxisinhaberin mit der Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie. Sie ist zudem Sachverständige für Sachkunde- und Wesensprüfungen.

Buchtipp

Viele nützliche Informationen zur artgerechten Haltung von Heimtieren bietet der Praxisleitfaden „Verhaltensprobleme bei Nager, Reptil & Co. – Von den Grundlagen bis zum Management“. Dorothea Döring, Petra Kölle, Walter Lantermann, Barbara Schneider, Patricia Solms und Daniele Zurr geben Tipps für die tägliche Praxis und beschreiben nachvollziehbare Therapieansätze verhaltensauffälliger Heimtiere. Mit zahlreichen Hand-Outs für Patientenbesitzer zum Downloads und Videos. Das Buch können Sie hier vorbestellen. Erscheint: 30.04.2022

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Dieser Leitfaden vermittelt praxisnah und leicht verständlich Grundlagen des Medical Trainings, gibt wertvolle Tipps zur Prävention von Verhaltensstörungen und zeigt Therapieansätze auf. Ein hilfreiches Nachschlagewerk insbesondere für Praxisteams, die nicht auf Verhaltensmedizin spezialisiert sind.

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