In einer aktuellen Befragungen sprechen sich Tierärzte dafür aus, dass Halter ihre Tiere versichern sollten.
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Tierkrankenversicherungen

Versichern für mehr Tierschutz

In aktuellen Befragungen sprechen sich Tierärzte eindeutig für den Abschluss von Tierkrankenversicherungen aus, da die gesicherte Kostenübernahme für mehr Tierschutz sorgt.

Inhaltsverzeichnis

Von Lisa-Marie Petersen

Die Corona-Pandemie zeigt es: Auch in der Krise sparen Tierhalter nicht an ihren Vierbeinern − die Praxen und Kliniken sind weiterhin gut besucht. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Uelzener Versicherungen hat jüngst ergeben, dass knapp 80 Prozent aller Katzenhalter in Deutschland ihre Tiere operieren lassen würden, sofern durch den Eingriff die Lebensqualität verbessert wird. Dies bestätigt den Trend, dass sich die Mensch-Tier-Beziehung in den letzten Jahren immer stärker vertieft hat: Hunde sowie Katzen werden als familiäre Wegbegleiter gesehen.

Laut einem aktuellen Artikel in der Berliner und Münchener Tierärztlichen Wochenschrift (BMTW) werden allein in Deutschland jährlich über zehn Milliarden Euro für die Heimtierhaltung ausgegeben. Davon entfallen etwa 630 Millionen Euro auf Tierversicherungen, wobei zwei Drittel in den Haftpflichtschutz investiert werden und weniger in Tierkrankenversicherungen.

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Das ist bedauerlich, denn wenn Tierhalter für die tierärztliche Versorgung ihrer Hunde und Katzen selbst bezahlen müssen, kommt es – trotz aller Liebe zum Tier – beim Tierarzt immer wieder zu Preisdiskussionen. Tierhalter wägen mitunter ab, ob sie sich die Behandlung finanziell leisten können. Wie emotional aufreibend so eine Situation auch für Tierärzte ist, wurde schon wissenschaftlich bestätigt: Es wird als massiver Stressor empfunden, wenn Tierhalter aus finanziellen Gründen eine Euthanasie wünschen – eine nicht zuletzt aus rechtlicher Sicht schwierige Forderung. Da zu erwarten ist, dass die tierärztliche Leistung in Zukunft eher teurer als günstiger wird, sollte die Bedeutung von Krankenversicherungen weiter in den Vordergrund rücken.

Schlusslicht im europäischen Vergleich

Von Amerika nach Europa − Tierversicherungen haben in den letzten 20 Jahren ein starkes Wachstum erfahren. Im europäischen Vergleich hinkt Deutschland jedoch stark hinterher, wobei Studien mit verlässlichen Zahlen rar sind. In der Befragung von 360 Tierärzten in der BMTW schätzten die Kollegen, dass etwa fünf Prozent der Hunde und zwei Prozent der Katzen in Deutschland krankenversichert sind.

Tierärzte sagen „Ja“

Grundsätzlich zeigen die Untersuchungen, dass Tierärzte „Pro-Tierkrankenversicherung“ sind. Der Artikel, für den auch Tierhalter online befragt wurden, zeigt außerdem, dass es nicht nur einen Trend zu immer mehr Haustieren, sondern erfreulicherweise auch den zu mehr versicherten Tieren gibt. Allerdings ist die Zahlungsbereitschaft von Hunde- und Katzenbesitzern für Tierkrankenversicherungen begrenzt. So waren in der gewählten Stichprobe der BMTW die Mittelwerte der monatlichen Zahlungsbereitschaft sowohl für eine Tierkrankenversicherung als auch für Tier-OP-Versicherungen niedriger als die der Retrospektive und lagen zwischen 10 und 20 Euro bzw. 10 und 15 Euro.

Aber schon das hilft: In Bezug auf Tierschutzaspekte ergaben die aktuellen Untersuchungen, dass Tiere, die versichert waren, eine bessere medizinische Versorgung erhielten als unversicherte Vierbeiner. Sie bekamen mehr Präventivbehandlungen, mehr notwendige Behandlungen und starben eher eines natürlichen Todes. Insgesamt bestätigt sich, dass Tierärzte meinungsprägende Mitgestalter sind, die in der Beratung eine wichtige Schlüsselfunktion einnehmen und diese auch nutzen sollten.

Tierkrankenversicherungen – Fragen und Antworten

Nicht alle Tierbesitzer sind sich bewusst, dass es überhaupt Krankenversicherungen für Tiere gibt. Daher sollte das Thema Versicherung Gegenstand der ersten Beratungsgespräche sein.

Damit Sie den Kunden Rede und Antwort stehen können, soll der folgende Gesprächsleitfaden Antworten auf die häufigsten Besitzerfragen liefern.

Welcher Anbieter ist der Richtige für mein Tier?

Inzwischen sind zahlreiche Anbieter und noch mehr Tarife auf dem Markt. Diese wurden bereits von unterschiedlichen Verbrauchermagazinen wie der Stiftung Warentest und Ökotest wiederholt unter die Lupe genommen und dabei unter anderem auf Preis/Leistung und Fairness geprüft. Die Auswertungen sind online zu finden, wobei darauf zu achten ist, dass sich Tarife und ihre Bedingungen immer auch ändern können. Grundsätzlich sollten die aktuellen Versicherungskonditionen der unterschiedlichen Anbieter verglichen werden, wobei auch das Kleingedruckte zu lesen ist. Fragen zu und Erfahrungen mit einzelnen Anbietern werden derzeit vor allem online z. B. in den sozialen Netzwerken gestellt und ausgetauscht. In jedem Fall ist bei der Auswahl des Versicherers und Tarifes darauf zu achten, dass die Kostenübernahme nicht GOT-gedeckelt ist. Das bedeutet, dass der Versicherer die Kosten für eine Behandlung übernimmt, unabhängig davon, nach welchem Satz der Gebührenverordnung für Tierärzte der behandelnde Veterinär abrechnet.

Welche Tarife gibt es?

Die Versicherer bieten in der Regel einen teureren Krankenvollschutz an, der wie eine Art „Rundum-Sorglos-Paket“ sowohl die tierärztlichen Behandlungs- als auch Operationskosten abdeckt (Leistungskatalog checken!) und den günstigeren OP-Schutz. Dieser kommt für Kosten auf, die durch Operationen entstehen. Zu beachten gilt, was die Anbieter unter dem Begriff Operation verstehen. In der Informationsbroschüre des Versicherungsunternehmens Agila findet sich folgende Definition: „Eine Operation ist laut unseren Bedingungen ein chirurgischer Eingriff unter Narkose, der einen Schnitt sowie das Verschließen dieses Schnitts mit einer Naht beinhaltet.“ Somit sind z. B. Röntgenbilder in diesem Tarif nicht enthalten, selbst wenn sie unter Narkose angefertigt werden. Ebenso gilt es zu beachten, in welchem Umfang die oftmals zeitaufwendige Nachsorge (stationärer Aufenthalt, Verbandswechsel, Schmerzmittel, Physiotherapie) nach einer Operation abgedeckt ist.

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Worauf sollte ich noch achten?

Da neben der Rasse vor allem das Alter des Tieres über die Aufnahme und den Beitragssatz entscheidet, sollten Tiere möglichst jung versichert werden. Somit ist das Thema Krankenversicherung bereits im Welpenalter eines, das es nicht auf die lange Bank zu schieben gilt. Ebenso ist zu beachten, dass die Versicherung oft erst nach einer Wartezeit von drei Monaten nach Vertragsabschluss in vollem Umfang für die tierärztlichen Leistungen aufkommt. Ebenso sollte die Versicherung dem Versicherungsnehmer eine freie Tierarztwahl zugestehen. Einige Versicherer sehen bei bestimmten Tarifen die Behandlung bei einem Haustierarzt vor, der bei Behandlungsbeginn festgelegt wird. Wird das Tier bei einem anderen Tierarzt behandelt, müssen für die Kostenübernahme bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein!

Gibt es Leistungen, die Tierkrankenversicherungen nicht übernehmen?

Ja. Es gibt nicht nur Leistungen (wie z. B. Kastrationen, Futtermittel), für die Versicherer nicht bzw. nicht vollumfänglich aufkommen, sondern auch Tiere, die aufgrund ihres Alters, der Rasse oder bestimmter Vorerkrankungen von der Versicherung ausgeschlossen sind. In diesen Fällen ist den Besitzern anzuraten, privat vorzusorgen, also monatlich einen bestimmten Betrag für mögliche Tierarztkosten zur Seite zu legen.

Gibt es eine Selbstbeteiligung?

Ja, darauf ist bei der Auswahl des Tarifs unbedingt zu achten. So gibt es Tarife, die immer eine Selbstbeteiligung, z. B. von 20 Prozent, beinhalten, bei anderen muss der Tierhalter ab einem bestimmten Alter des Tieres einen bestimmten Anteil der Kosten selbst tragen. Ebenso ist auf die Summe zu achten, welche beim Anbieter jährlich versichert ist.

Über die Autorin

Als Tierärztin horcht Lisa-Marie Petersen gern am Ort des Geschehens nach: Was beschäftigt die Tiermedizin derzeit? Interessante Themen verarbeitet die Fachjournalistin dann in redaktionellen Beiträgen für Print- und Onlinemedien.

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